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Wie arbeiten wir morgen?

Drei Fragen an Maximilian Zettlitzer

: Wo sehen Sie zukünftig die größten Herausforderungen für die Arbeit im Büro?

Im Zuge der Digitalisierung müssen wir zweierlei unterscheiden: die technischen Grundvoraussetzungen, um digital und vernetzt überall arbeiten zu können, und die tatsächliche Einführung und Nutzung dieser technischen Möglichkeiten. Wir müssen verstehen, welche Chancen und Möglichkeiten die Digitalisierung bietet, und aufhören, uns mit immer neuen Vorschriften und Regularien selbst zu behindern. Berufseinsteiger haben während ihrer Ausbildung heute oft mit modernerer Technik gearbeitet als ihnen ihr neuer Arbeitgeber zur Verfügung stellen kann. Unternehmen sollten eher Mittler zwischen den technischen Möglichkeiten und den Mitarbeitern sein, anstatt stetig zu wiederholen, was gerade nicht geht. Das kostet natürlich Geld, bietet aber entscheidende Vorteile: Wer von überall arbeiten kann, spart sich den Weg ins Büro. Das entlastet die Großstädte. Fachkräfte vom anderen Ende der Republik können hinzugezogen werden. Büroflächen müssen vielleicht gar nicht mehr im bisherigen Maße angemietet werden. Das senkt die Kosten. Mit unserer Initiative Spaces4Future versuchen wir, Unternehmen dafür zu sensibilisieren, um dann in die richtigen Bereiche zu investieren, z. B. in mobile End­geräte.

: Woran merken Sie, dass sich die Arbeitswelt Büro ­verändert?

Mit der ersten Generation, die bereits mit digitalen Medien aufgewachsen ist und nun ins Berufsleben eintritt, wird sehr vieles grundsätzlich infrage gestellt. Auch Hierarchien werden nicht mehr anstandslos akzeptiert. Man steht damit vor der Herausforderung, neben dem immer stärker werdenden wirtschaftlichen Druck auch das Miteinander unterschiedlicher Generationen zu managen. Unternehmen erleben gerade, wie schwer es ist, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die allen ein Zuhause bietet. Und das ist nicht immer nur eine Art Büro, die dann für alle passt. Wir sollten uns vor Augen führen, was uns wirklich produktiv macht und unser Handeln unterstützt. Danach sollte man sich einrichten. Ich kriege oft zu hören: „Ich kann mich nicht konzentrieren und brauche deshalb mein Einzelbüro. Andererseits wäre es nicht schlecht, mitzukriegen, was die anderen machen.“ – die „eierlegende Wollmilchsau“. Wir müssen lernen, unsere Räume im Arbeitsalltag zu strukturieren und an unsere Tätigkeit anzupassen. Ideal wäre eine Arbeitslandschaft, die gleichermaßen Flächen für konzentriertes Arbeiten alleine bietet wie auch für Teamarbeit. Denn eigentlich kommunizieren wir mehr als hochkonzentriert allein zu arbeiten. Trotzdem sitzen wir 80 Prozent der Arbeitszeit im Einzelbüro. Wer nun feststellt, dass er diese 80 Prozent der Zeit in Konferenzräumen verbringt, erkennt welche Flächen in seinem Unternehmen inneffizient genutzt werden. In den meisten Unternehmen gibt es heute zu wenig Flächen für Besprechungen und Teamarbeit.

: Wie sieht es aus, das Büro der Zukunft, wie arbeiten wir dort morgen?

Es geht um die Kombination aus Mensch, Raum und Technik. Ein zukunftsfähiges Arbeitsumfeld muss diese drei Aspekte und das Unternehmen selbst in Einklang bringen. Der Mensch braucht mehr Freiheit, der Raum muss mehr Möglichkeiten der Nutzung eröffnen, die Technik Aufgaben erleichtern und Flexibilität schenken. Derzeit befinden wir uns in einem Umbruch ähnlich dem der Industrialisierung. Die Nutzung moderner und intelligenter Bürogebäude wird sich grundlegend verändern. Niemand wird mehr fünfmal die Woche für acht Stunden ins Büro gehen, um dort allein zu arbeiten. Das geht auch von zu Hause oder wo immer. Unsere Initiative Spaces4Future beschreibt, wie das funktionieren kann, sehr gut. Bürogebäude sollten vermehrt Orte des Austausches werden, wo Mitarbeiter nur zu wichtigen Besprechungen sind oder um Kollegen zu treffen. Nachzudenken ist auch über Verkehrs- und/oder Bürohubs an den Rändern der großen Metropolen, von wo aus man mit dem ÖPNV in die Innenstädte kommt. Wir sollten Mitarbeitern mehr Gestaltungsfreiheit einräumen, zu arbeiten wann und wo sie wollen. Produktivität ist nicht zwingend an die physische Anwesenheit geknüpft.

Damit meine ich natürlich nicht, dass Mitarbeiter aus den gewohnten vier Wänden ihrer Einzelbüros verdrängt werden sollen. Aber wir müssen einsehen, dass das Einzelbüro als einziger Ort, an dem man vernünftig arbeiten kann, in den letzten Jahren einen viel zu hohen Stellenwert hatte. Selbst eine Führungskraft braucht kein Einzelbüro, um als solche respektabel zu wirken. Ein Jürgen Klopp verdankt seinen Erfolg auch nicht einem geräumigen Einzelbüro, sondern der Tatsache, dass er Menschen auf anderer Ebene erreicht.

Was das Büro der Zukunft ausmacht, ist also nicht modernes Möbeldesign, sondern eine völlig neue Form der Zusammenarbeit.

Der Berater bei if5 anders arbeiten referiert im Rahmen des umfassenden Vortragsprogramms Büro der Zukunft: Office 4.0: Die digitale Transformation, Sa, 25.01.20, 11:00 Uhr.

www.if5.org

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