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Making Talents: Jonna Breitenhuber

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Junge neue Talente sind sozusagen das Lebenselixier einer Branche, für die ansprechendes Design von essenzieller Bedeutung ist. Aber wie wird man eigentlich Nachwuchsdesigner? Und was treibt junge Talente an? TOP FAIR stellt im Rahmen einer Serie Nachwuchsdesigner aus verschiedenen Produktsegmenten vor und spricht mit ihnen über ihren Werdegang und ihre Projekte. Alle vorgestellten Designer präsentierten ihre Entwürfe und Produkte im Rahmen der Sonderschau Talents auf der Ambiente 2020.

Den Anfang macht die Berliner Produkt- und Prozessdesignerin Jonna Breitenhuber (Jahrgang 1992). Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Vorstudienjahr in Kunst und Design an der Werkbund Werkstatt Nürnberg. Anschließend studierte sie Industriedesign an der OTH Regensburg und schloss 2019 ihr Masterstudium in Produktdesign an der Universität der Künste Berlin ab. Bereits während Ihres Studiums arbeitete sie freiberuflich als Produkt-, Grafik- und Verpackungsdesignerin. Für das in ihrer Masterarbeit entstandene Konzept SOAPBOTTLE gewann sie den Green Concept Award 2019, den Bundespreis Ecodesign 2019 und ist für den deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 nominiert.

: Gibt es so etwas wie eine eigene Designphilosophie, was macht gutes Design für Sie aus?
Für mich sind Produkte gut gestaltet, wenn sie neben einer ästhetischen Formensprache auch mit ihrer Funktionalität überraschen: Innovative Produkte, die einen besonderen Clou haben, humorvoll sind oder ein Problem lösen. Ich mag einfache und klar gestaltete Entwürfe, die auf das Wesentliche reduziert sind und ohne viel „Schnickschnack“ auskommen. Gutes Design ist meiner Meinung nach selbsterklärend und erzeugt ein (Nutzer-)Erlebnis, das Spaß macht. Außerdem finde ich es wichtig, dass man sich als DesignerIn schon im Entwurfsprozess darüber Gedanken macht, wie und aus welchem Material das Produkt möglichst umweltfreundlich produziert werden kann und was damit passiert, wenn es kaputt geht oder nicht mehr benötigt wird. Also Fragen wie Recycling, Kreislaufwirtschaft, Sharing-Konzepte und andere.

: Haben Sie Designvorbilder im Sinne von Personen oder einzelnen aus Ihrer Sicht besonders gelungenen Designs?
Im Verpackungsdesign finde ich zum Beispiel die Produkte des schwedischen Designstudios „tomorrow machine“ sehr inspirierend, da sie Ästhetik mit intelligenten und innovativen Ideen verknüpfen. Außerdem mag ich die klare Formensprache von Dieter Rahms oder der Bauhaus Ikonen.

: Haben Sie unter Ihren eigenen Entwürfen ein Lieblingsdesign? Also beispielsweise einen Entwurf, der besonders gelungen ist oder bei dem eine besondere schwierige Anforderung umgesetzt werden musste?
Besonders gerne mag ich die in meinen Abschlussarbeiten entstandenen Projekte. ALLPACKA ist eine Rückentrage, die mit wenigen Handgriffen zu einem Trolley oder einer Sackkarre umgebaut werden kann. Sie wurde im Rahmen meiner Bachelorarbeit entwickelt. Der ALLPACKA nimmt sich die Rückentrage zum Vorbild und setzt sie in einen neuen Kontext. Statt als funktionales Outdoor-Produkt soll der ALLPACKA besonders im urbanen Leben einer mobilen Gesellschaft Nutzen finden. Wie seine Vorgängermodelle auch, bezieht der ALLPACKA seine Funktionalität aus einem Rahmengestell. Von einer herkömmlichen Kraxe unterscheidet ihn jedoch seine Kompaktheit. Die Höhenverstellbarkeit und die Rollen ermöglichen es, die Rückentrage in eine Sackkarre zu verwandeln.
Das Projekt SOAPBOTTLE entstand im Rahmen der Masterarbeit und ist eine Verpackung aus Seife, die als Handseife oder Waschmittel genutzt werden kann, sobald der flüssige Inhalt aufgebraucht ist. Während der Inhalt also aufgebraucht wird, löst sich die Seifenverpackung langsam von außen auf. Die Überreste können als Handseife weiterverwendet oder zu Wasch- und Putzmittel verarbeitet werden. Die SOAPBOTTLE Seife besteht aus natürlichen Rohstoffen und ist biologisch abbaubar: Abfall wird dadurch komplett vermieden.
Beides waren sehr intensive Projekte, bei denen ich die Möglichkeit hatte, viel Recherchearbeit, Experimente und Feedback von KommilitonInnen und ProfessorInnen mit in den Entwurfsprozess einfließen zu lassen. Bei SOAPBOTTLE hat es mir zum Beispiel besonders Spaß gemacht, mir zu überlegen, wie man eine im Kontakt mit Wasser rutschig werdende Seifenflasche möglichst benutzerfreundlich gestalten kann.

: Wie entstehen die eigenen Ideen? Was inspiriert Sie?
Wenn ich ein neues Projekt beginne, beschäftige ich mich oft mit einem konkreten Problem und versuche es durch einen Entwurf zu lösen. Im Fall von SOAPBOTTLE habe ich mich zum Beispiel mit unserer Kunststoff-Problematik auseinandergesetzt und wollte für den Körperpflegesektor eine plastikfreie Verpackungsalternative finden. Beim Projekt ALLPACKA habe ich mir die Aufgabe gestellt, ein Produkt zu entwickeln, das ein spontanes Transportieren (auch von größeren und schweren Dingen) im Alltag ermöglicht.

: Gibt es handwerkliche Präferenzen bei der Erstellung von Entwürfen (also Bleistift oder digital?) Mit welchen Werkstoffen arbeiten Sie hauptsächlich bzw. am liebsten?
Meistens skizziere ich am Anfang meine Ideen analog und arbeite später digital mit einer 3D Software und Vektoren- bzw. Bildbearbeitungsprogrammen.Wichtig ist für mich im Entwurfsprozess auch immer das Erstellen von groben Mock-Ups und verschiedenen Vormodellen, wodurch ich Funktionen oder Eigenschaften schnell ausprobieren, verändern und verbessern kann. Ich arbeite gerne mit den „klassischen“ Materialien, wie Holz, Metall und Keramik; finde es aber auch sehr interessant mit für mich neuen Materialien zu experimentieren und auf die jeweiligen Eigenschaften zu reagieren.

: An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?
Im Moment arbeite ich am bereits erwähnten Projekt SOAPBOTTLE, das ich in diesem Jahr unter anderem anlässlich der „Talents“ auf der Ambiente vorgestellt habe. Da ich so viel positives Feedback und Anfragen aus der ganzen Welt bekommen habe, habe ich mich schließlich in diesem Sommer dazu entschlossen, das Konzept zu einem marktreifen Produkt weiter zu entwickeln. Aktuell baue ich ein Team um das Projekt SOAPBOTTLE auf und arbeite an der Marken- und Produktentwicklung.

 

Jonna Breitenhuber / Instagram

Webseite des Projekts Soapbottle

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