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Lebt wohl ihr Scheine

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Pecunia non olet sagten schon die alten Römer und hatten mit dem Spruch „Geld stinkt nicht“ Corona wohl eher nicht im Sinn. Wenn man heute der Bäckereifachverkäuferin einen 10 EUR-Schein oder abgezähltes Münzgeld auf die Theke legt, hält sich die Begeisterung oft sichtbar in Grenzen. Geld mag nicht stinken – aber könnte es die Viren nicht doch übertragen?

Kurioserweise ist es genau jene Verkäuferin, bei der man vor Pandemiezeiten mit dem Wunsch auf bargeldlose Zahlung von 2,99 EUR noch abgeblitzt ist – mittlerweile werden selbst kleinste Beträge am besten kontaktlos per Karte oder Mobiltelefon akzeptiert. Hat sich also etwas verändert in Sachen Zahlungsabwicklung oder ist das nur eine rein subjektive Beobachtung in schwierigen Zeiten?

Langsam, aber stetig
In Deutschland ging die Entwicklung schon seit einiger Zeit hin zu allen möglichen Zahlungsoptionen, wenn auch im internationalen Vergleich eher schleppend. Ein Treiber dabei war insbesondere die Zunahme im Bereich der Online-Verkäufe, bei denen klassisches Bargeld naturgemäß nicht zum Zuge kommt. Kreditkartenunternehmen wie Visa oder Mastercard und Zahlungsdienstleister wie PayPal, Klarna, Amazon Pay und andere spielen also beim E-Commerce eine immer gewichtigere Rolle, allerdings haben traditionelle Verfahren wie Vorkasse, Lastschrift oder Kauf auf Rechnung auch dort immer noch den größten Marktanteil. Einer der Gründe dafür könnte ein gewisses Misstrauen gegenüber den Sicherheitsaspekten der bargeldlosen Transaktion sein. Das konstatierte die Bundesbank zumindest in einer Studie von 2015, verbunden mit dem Hinweis auf die altersabhängig dieser Einstellung. In einem Satz: Je jünger das Publikum, desto höher ist die Bereitschaft andere Zahlungsmittel einzusetzen.

Und der stationäre Handel?
Wie aber sieht es in Bereichen aus, in denen bis dato der Einsatz von Bargeld die bei weitem dominierende Zahlungsform war, sprich im stationären Handel? Fragt man in den Läden oder bei diversen Dienstleistern nach, scheint eine Tendenz hin zum kontaktlosen Bezahlen erkennbar. Aber geben persönliche Eindrücke auch eine durch Zahlen belegbare Entwicklung her? Wirft man ein Blick auf Studien der Deutschen Bundesbank, dann musste man in Deutschland lange Jahre eine – zumindest im internationalen Vergleich – vergleichsweise geringe Bereitschaft zur Verwendung von kontaktlosen Zahlungsmitteln im Laden vor Ort konstatieren, viele folgten dem Spruch nur Bares ist Wahres. In Befragungen zum Thema „Warum nutzen sie eine Kreditkarte?“ gaben denn auch 61% der Befragten an, man könne damit im Ausland einfacher zahlen. Gerade im stationären Handel sah man sich daher lange Jahre nicht unbedingt gezwungen, mehr Bezahloptionen jenseits des Bargelds anzubieten, schließlich entstehen dem Handel dadurch monatliche Fixkosten und Kosten für jede durchgeführte Transaktion.

Erst ganz langsam kam in den letzten Jahren in Sachen Marktanteile eine Entwicklung in Gang. Zahlreiche Studien, beispielsweise von Bundesbank und EZB, dokumentieren in den vergangenen Jahren einen zwar konstanten, aber sehr langsamen Rückgang der Barbezahlung zugunsten anderer Zahlungsmittel. Dies war aber in starkem Maße von den zu begleichenden Summen abhängig – je geringer der Betrag, desto größer der Wille bar zu bezahlen. In Supermärkten und an Tankstellen kann man zwar seit einigen Jahren mit Karte oder gar per Telefon bezahlen, viele Geschäfte verzichteten aber diese Bezahlmethoden, allenfalls die EC-Karte wurde akzeptiert.

Gamechanger Corona?
In Zeiten von Corona scheint aber offenbar nicht nur vielen Kunden, sondern auch vielen Händlern die Lust auf das Bargeld zu vergehen. Den früheren Überlegungen, ob elektronische Bezahlsysteme denn auch sicher und wirtschaftlich genug sind, scheint der Überlegung wie „ansteckend“ denn Bargeld oder sonstige Kontakte sein können gewichen zu sein. Ob dieser Grund für die zunehmende Zurückhaltung in Sachen Bargeld nun medizinisch in irgendeiner Weise gerechtfertigt ist oder nicht, bei vielen Kunden und Händlern lösen Münze und Scheine – und auch das Eintippen von Nummern auf einem viel genutzten Terminal – derzeit offenbar negative Gefühle aus, die man im Zweifelsfall besser vermeidet. Selbst die Bundesbank sah sich bereits im März des letzten Jahres zu einem Statement in Sachen Bargeld und Infektionsrisiko genötigt (Link zum Statement).

In welchem Umfang diese Entwicklung auch beim Handel angekommen ist, zeigt die eingangs beschriebene Bereitschaft, mittlerweile auch kleine Beträge per Karte oder gleich per Mobiltelefon zu begleichen. Im Handel wurde und wird von vielen Anbietern seit Beginn der Pandemie mittlerweile sogar aktiv für den bargeld- und kontaktlosen Zahlungsvorgang geworben. Und so konstatieren verschiedene Institute und Institutionen für das vergangene Jahr 2020 im Einzelhandel einen deutlich messbaren Umbruch. Die Zahl der mit Bargeld beglichenen Einkäufe ist weiter zurückgegangen und haben dem digitalen Bezahlen einen deutlichen Zuwachs verschafft. Der zwar merkbare, aber doch gemächliche Trend zur bargeldlosen Zahlung der letzten Jahre hat sich mithin deutlich beschleunigt. Diese Tendenz bestätigte eine von der EZB im Dezember veröffentlichte Studie. (Link zur EZB)

Trotzdem bleibt die Verwendung von Bargeld die nach wie vor beliebteste Zahlungsmethode beim stationären Einkauf. Die Zahlen verschiedener Institutionen geben nicht her, dass die Deutschen mittelfristig die Bezahlung per Bargeld konsequent meiden werden. Allerdings sind Krisensituationen – und darum handelt es sich bei der Pandemie ohne Zweifel – immer gut für disruptiven Wandel. Die mittlerweile von immer mehr Banken und Unternehmen angebotenen Bezahlalternativen per Mobiltelefon werden, so zumindest das Statement der Banken – sehr gut angenommen, weil sie ein hohes Maß an Sicherheit, Bequemlichkeit und völlig kontaktloses Bezahlen kombinieren.

Im Jahr 2019 – also noch vor der Pandemie – ermittelten verschiedene Unternehmen die Nutzungszahlen zum Thema „Mobiles Bezahlen“, das Ergebnis lag bei rund 5 – 10% aller volljährigen Verbraucher. Das mag zunächst nicht viel erscheinen, muss aber in Relation gesetzt werden zur Tatsache, dass man in Deutschland überhaupt erst seit 2018 per Mobiltelefon bezahlen kann. Wirtschaftsexperten gehen zumindest nicht davon aus, dass sich diese beschleunigte Entwicklung nach der Corona-Krise wieder zurückbildet. Für den Handel wird es also mehr denn je bedeuten, eine möglichst großes Portfolio an Zahlungsoptionen anzubieten – auch im stationären Handel. Denn eines wurde in den Studien ebenfalls vermerkt: Kunden, die von ihnen gewünschte Zahlungsoptionen nicht vorfinden, wechseln auch gerne einmal den Anbieter.

Link zur den Erhebungen der Deutschen Bundesbank

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