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„Die ganze Scheiße mit der Zeit“

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Ich nehme mir nichts vor, ich mache es…LESEN!

Der Mann polarisiert, so auch der Titel seines neuesten Buches. Man mag ihn oder man mag ihn nicht. Man sieht in ihm einen der interessantesten Medienmenschen oder man hält ihn für einen eitlen Schwätzer. Sein neuestes Buch steht unter dem Zeichen einer aktuellen Krebsdiagnose. Er tritt mit seinen beiden Lungenkarzinomen, denen er die Namen Kafka und Shaw gegeben hat, in manch verblüffenden Dialog. Der 1956 in Kassel geborene Hubertus Meyer-Burckhardt verbrachte Jahre im Vorstand der Axel Springer AG sowie bei ProSieben-Sat.1, hatte eine Professur an der Hamburg Media School, arbeitet als TV-Produzent und ist einem Millionenpublikum als Gastgeber der NDR Talk Show bekannt.

Über sein neuestes Buch sagt er selbst: „… das ist kein Roman, keine Biografie, keine Erzählung, es ist eher das, was Unfallopfer berichten, wenn das Leben in Sekundenschnelle an einem vorbeizieht…“. Und Meyer-Burckhardt hat recht: Blitzlichter wechseln sich mit etwas längeren Beleuchtungen ab, die abwechslungsreichen Inhalte werden nie langweilig und die in der Ich-Form niedergeschriebenen Gedanken lösen beim Leser ganze Kaskaden eigener Gedanken aus.

Ein kleines Beispiel vielleicht: „Da wo mich nichts mehr berührt, wo keine Brüche sind, kein liebevolles Nachfragen, da gehe ich. Da, wo Menschen glauben, durch passive Aggression Punkte machen zu müssen. Da, wo man versucht mich ins Defizit zu setzen, da will ich nicht sein. Kürzlich bin ich das erste Mal in meinem Leben vor der Zeit gegangen: bei einer Einladung zu einem aufwendigen Abendessen im Hamburger Bürgertum. Ich konnte die Borniertheit des Gastgebers nicht ertragen. >>Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu geh’n<<, höre Reinhard Meys Zeile in mir klingen. Ich gehe in Zukunft wohl häufiger vor der Zeit. Ich gehe weil ich nicht weiß, wie lange ich bleiben darf.“

Ein echtes Schmankerl hat der Autor dann noch am Ende des Buches für den Leser parat, auch etwas was zum Nachmachen anregt, er gibt Einblicke in den ganz persönlichen Soundtrack seines Lebensfilms, mit einer kleinen Playlist zum Abschluss.

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