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PBS-Branche: Zuversicht überwiegt

3. Februar 2015 Autor: Messe Frankfurt
Kategorie: Bürobedarf, Geschenke & Dekoration, Papier & Verpackung

Markenfirmen planen für 2015 durchschnittliche Umsatzzuwächse von 3,5 Prozent.
Gewinner Nummer 1 sind Schreibgeräte – meisten Verluste verzeichnet Büroarbeitsplatzzubehör.

Schreib- und ZeichengeräteDas Gesamtumsatzvolumen des deutschen Marktes für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren wird nach Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres 2014 einen Wert von 12,869 Mrd. Euro (Prognose, inklusive Umsatzsteuer) erreichen. Wie IFH Retail Consultants Köln (IFH) im Auftrag der Messe Frankfurt ermittelt hat, liegt dieses Ergebnis mit minus 0,8 Prozent nur geringfügig unter dem Vorjahresumsatz von 12.967 Mrd. Euro. Damit hat sich der Abwärtstrend des deutschen PBS-Marktes deutlich verlangsamt: 2012 ist der Umsatz noch um 5,8 Prozent (minus 815 Mio. Euro) geschrumpft, 2013 nur noch um 1,3 Prozent (minus 175 Mio. Euro). Dennoch wird der Umsatz im PBS-Markt nach dem Allzeithoch von 2011 (13,96 Mrd. Euro) aktuell um eine Mrd. Euro geringer bewertet.
Die Herausforderungen für die Branche sind vielfältig, jedoch mittlerweile besser kalkulierbar: So drücken auf den Markt einerseits die Rationaliserungsprozesse der Nachfrageseite, wodurch beispielsweise der Bedarf an Büroverbrauchsmaterialien aufgrund zunehmender Digitalisierung weiter abnimmt. Andererseits kommt es durch die Digitalisierung zu einer zunehmenden Informationstransparenz bei Preisen und Beschaffungswegen. Beides führt zu weiterhin massiven Konzentrationsprozessen im Markt. Zu spüren bekommt das vor allem der stationäre Einzelhandel. Gab es im Jahr 2010 noch 6.623 Unternehmen, sind es heute deutschlandweit mit 5.627 PBS-Fachhändlern knapp 1.000 weniger, was einem Rückgang von durchschnittlich 3,8 Prozent pro Jahr entspricht. Der Handelsverband Bürowirtschaft und Schreibwaren (HBS) sieht neben den genannten Veränderungen weitere Gründe für diese Entwicklung: „Wegen steigender Mieten in den relevanten Geschäftslagen, aber nicht weiter steigerbaren Umsätzen und Margen bei weiterhin hohem Beratungs- und Servicebedarf der Kunden wird es an vielen Standorten immer schwieriger, Facheinzelhandel zu betreiben“, sagt Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des HBS. Folglich gibt es auch im Funktionsgroßhandel, der die Warenversorgung für die Fachgeschäfte übernimmt, eine Konsolidierung. Nichtsdestotrotz bleibt die Umsatzverteilung innerhalb der Distributionskanäle auch im Jahr 2014 unverändert. Einzig der Versandhandel (ohne Hersteller-Direktvertrieb und Internet-Pure-Player) gewinnt laut IFH Retail seit Jahren Marktanteile und liegt mittlerweile bei 7 Prozent.

 

PBS-Markenindustrie: Zuversicht überwiegt

Die im Verband der PBS-Markenindustrie zusammengeschlossenen 47 Markenfirmen blicken auf eine positive Umsatzentwicklung in 2014 zurück. Wenngleich die Gesamtumsätze bei etwa jedem vierten Unternehmen rückläufig waren, kann der Verband doch noch über ein Umsatzergebnis von plus 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr berichten. Vor allem das Deutschlandgeschäft hat zu den Umsatzsteigerungen beigetragen. Dabei sind die Produktbereiche Papier, Büro und Schreiben unterschiedlich zu betrachten. Wie Horst-Werner Maier-Hunke und Rolf Schifferens, die beiden Vorsitzenden des Verbands der PBS-Markenindustrie, einräumten, blieben die Umsätze in den Produktclustern Papier und Büro hinter den Erwartungen zurück und nur auf dem Niveau des Vorjahres. Im Bereich Schreiben konnten die Markenfirmen aber zum Teil beträchtliche Umsatzzuwächse verzeichnen; der Umsatzzuwachs lag hier bei durchschnittlich etwa 6 Prozent. „Diese Angaben verbergen allerdings Gesamtumsätze einzelner Markenfirmen von minus bis plus 20 Prozent“, fügt Geschäftsführer Thomas Bona hinzu.
Immerhin stimmten die Einschätzungen der Unternehmen mit Blick auf das Jahr 2015 durchweg versöhnlich. Die Markenfirmen planen durchschnittliche Umsatzzuwächse von 3,5 Prozent, wobei bezogen auf die monatlichen Umsätze erneut mit extremen Schwankungen zu rechnen sei, so Thomas Bona weiter. Ursache dafür sind zahlreiche komplexe volkswirtschaftliche Einflüsse, die auf die PBS-Branche einwirken. So beeinflusst die Lage auf dem Arbeitsmarkt den Teilmarkt Büroausstattung, die Digitalisierung verursacht enorme Veränderungen im Produktsegment Ordnen und Registrieren und letztlich wirkt sich auch die Konsumlaune der Privatkonsumenten auf den PBS-Markt aus.

 

Gewinner und Verlierer innerhalb des PBS-Marktes

IFH weist ebenfalls auf die unterschiedliche Entwicklung der Teilsegmente im PBS-Markt hin: Von den 17 PBS-Produktbereichen liegen sechs im Plus, ebenso viele im Minus und fünf Segmente stagnieren im Intervall von -0,7 bis +0,9 Prozent. Zu den Umsatzgewinnern 2014 zählen die Schreibgeräte mit einem Zuwachs von 6,8 Prozent (2013: 693 Mio. Euro; 2014: 740 Mio. Euro) und das Segment Ordnen und Archivieren mit einem Wachstum von 4,8 Prozent (2013: 2.459 Mio. Euro; 2014: 2.576 Mio. Euro). Außerdem hat der Mal- und Zeichenbedarf um 3,4 Prozent (2013: 29 Mio. Euro; 2014: 30 Mio. Euro) zugelegt. Nach dem drastischen Einbruch von 2012 auf 2013 um -46,3 Prozent ist das ein positives Zeichen für das Kreativ-Segment.
Die größten Umsatzverluste verzeichnet das Büroarbeitsplatzzubehör mit einem Minus von 11,1 Prozent (2013: 579 Mio. Euro; 2014: 515 Mio. Euro). Auch Bürokommunikationspapier weist mit -4,4 Prozent eine negative Entwicklung auf (2013: 3.455 Mio. Euro; 2014: 3.303 Mio. Euro). Grund hierfür ist unter anderem die Umstellungen auf digitale Prozesse der Konzerne und Verwaltungen.

 

PBS-Markt in der EU27 erstmals seit 2011 mit Umsatzplus

Mit Blick auf den europäischen PBS-Markt prognostiziert das Institut IFH Retail Consultant Köln nach ersten Hochrechnungen ein kleines Umsatzplus in Höhe von 0,8 Prozent und damit ein Gesamtvolumen von 58,32 Mrd. Euro (ohne Umsatzsteuer). „Ob sich nun allerdings eine belastbare Trendwende einstellt, bedarf noch der Bestätigung durch das kommende Geschäftsjahrergebnis“, sagt Uwe Krüger vom IFH.
Das PBS-Gesamtmarktvolumen verteilt sich geographisch und korrespondiert mit der Wirtschaftskraft der einzelnen Staaten. „Deutschlands führende Position bleibt mit einem Marktanteil von 18,8 Prozent stabil auf Vorjahresniveau“, so Krüger. Zweitplatzierter mit einem deutlichen Abstand ist Großbritannien mit einem Marktanteil von 15,7 Prozent. Danach folgt fast gleichgewichtig Frankreich mit 14,3 Prozent und Italien mit 14,2 Prozent.
Die europäische PBS-Branche ist weiterhin eine „papierlastige Branche“, auch wenn 2014 der Umsatzanteil von Papier um 0,4 Punkte auf 44,7 Prozent gefallen ist. Ein Grund hierfür ist, dass andere Segmente, besonders Schreibgeräte um 3,9 Prozent und Sonstige PBS-/Partyartikel um 3,5 Prozent im Wert gewachsen sind. Diese beiden Segmente sind im Fokus privater Verwender und spiegeln die durchaus robuste Nachfrage wieder. Analog der Entwicklung in Deutschland wächst auch im europäischen Markt das Segment Ordnen und Archivieren – und zwar um 1,9 Prozent.
Die europäische Marktentwicklung sieht das IFH Institut als verhalten positiv. Eine stabile Beschäftigungssituation sichert und treibt den Bestand von Büroarbeitsplätzen, der entscheidenden Determinante für den Ge- und Verbrauch von PBS-Artikeln, voran. Besonders wichtig ist dabei das Dienstleistungsgewerbe mit einem überproportionalen Anteil an Büroarbeitsplätzen. Hier befinden sich zahlreiche EU-Länder auf der Wachstumsseite, wie zum Beispiel: Spanien, Polen, Großbritannien und Deutschland. Daraus wiederum leiten sich Wachstumsimpulse in 2015 für den PBS-Markt ab.

 

Text: Messe Frankfurt
Foto: Messe Frankfurt


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