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Weniger ist mehr

19. Januar 2015 Autor: TOP FAIR Redaktion
Kategorie: Allgemein

Was ist das Geheimnis einer gelungenen Ladenplanung und -gestaltung, welche Marketingstrategien kann sich der Einzelhandel zunutze machen und welche Trends gibt es für das Jahr 2015? TOP FAIR hat mit Daniel Schnödt, Geschäftsführer bei Teamscio, Unternehmensberater, Buchautor und Trendexperte, gesprochen, der im Nordstil Forum Halle B 1.0 zum Thema „Trends und Strategien für mehr Gewinn im Einzelhandel“ referieren wird.

0208_01_NS_2015_InterviewSie haben den Alltag in einem Einzelhandelsbetrieb von Kindesbeinen an miterlebt und stehen verschie­denen Unternehmen beratend zur Seite. Gibt es das „A und O“ für eine erfolgreiche Ladengestaltung?

Der Kunde muss sich nonverbal, das heißt ohne Schriften und Plakate, und ohne die Hilfe des Verkaufspersonals im Laden zurechtfinden können. Eine bestimmte Grundordnung und Sortimentssortierung, die sich an den Suchkriterien des Kunden orientiert und seiner Suchlogik entspricht, sollte vorhanden sein und immer bestehen bleiben. In einem Bekleidungsgeschäft wäre das die Sortierung nach Marken, Alter und Größen, im Lebensmittelgeschäft die zeitliche Tagesabfolge: Frühstück, Mittag- und Abendessen. In Möbelhäusern ist eine Sortierung nach einem Farbkreis denkbar, der in immer gleicher Abfolge wiederholt wird. So ist das Geschäft für den Kunden selbsterklärend, er findet sich eigenständig zurecht, fühlt sich wohl und kommt immer wieder.

 

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Gepp‘s punktet mit vielfältigen Probiermöglichkeiten (Schmecken und Riechen) und einer reduzierten Bildkommunikation zugunsten einfacher und klar verständlicher Schriftzüge sowie ausführlichen Informationsmaterialien.

Wie kann auch eine kleine Ladenfläche optimal genutzt werden?

Je kleiner die Verkaufsflächen, desto schwieriger ist die Warenpräsentation. Kleine Läden haben meist auch eine kleine Lagerfläche und müssen mit dem wenigen Platz, der ihnen zur Verfügung steht, gut haushalten. Das erfordert eine gut durchdachte Lager-Logistik sowie ein Sortier­system für den Verkaufsraum, welches für Ordnung im Sichtbereich des Kunden sorgt.

 

Haben Sie Tipps zur Sortiments­optimierung?

Tendenziell gilt: Weniger ist mehr! Mit einer zu großen Auswahl ist der Kunde überfordert. 200 verschiedene Sorten eines Produkts mögen auf den ersten Blick zwar beeindruckend wirken, der Kunde kann sich schlussendlich aber nur für einen Bruchteil entscheiden. Es ist eine Kunst, wenige, ausgewählte Artikel auf der Fläche zu zeigen, anstatt möglichst viel Ware zu präsentieren. Hier kann auch eine zeit­liche Einteilung helfen: Ein Standardsortiment sollte immer erhältlich sein. Flexible Sortimentsbausteine können in reduzierter Form und mit häufigerem Wechsel nach festgelegten Zeitabschnitten präsentiert werden.

 

Hünting Home Company zeigt, wie sich kleine Möbelhäuser mit einer besonderen Rauminszenierung atmosphärisch vom Massenmarkt der großen Möbelhäuser differenzieren können.

Hünting Home Company zeigt, wie sich kleine Möbelhäuser mit einer besonderen Rauminszenierung atmosphärisch vom Massenmarkt der großen Möbelhäuser differenzieren können.

Welche Rolle spielt die Art und Weise der Warenpräsen­tation für den Abverkauf?

Bei der Art der Warenzusammenstellung ist vor allem wichtig, dass ein Thema auf den ersten Blick erkennbar ist. Dies erfolgt zum einen emotional: Die Präsentationsform und -gestaltung müssen leicht verständlich sein. Dies gelingt anhand von Bildern, die ein bestimmtes Gefühl vermitteln und das Thema direkt erkennen lassen, oder anhand der gezielten Produktauswahl. Ein mediterranes Thema wird beispielsweise immer in der Farbwelt Terra­kotta/Rot/Braun gehalten sein. Zum anderen kann die physische Ebene angesprochen werden: Atmosphärische Elemente wie Ton und Geruch spielen hier eine große Rolle, aber auch das Ansprechen des Geschmacksinns durch Kostproben. Beispiele für eine auditive Verdeut­lichung sind Musik oder Geräusche. Der Geruchssinn kann mit Duftkerzen, -pflanzen, Räucherstäbchen, Raumdüften oder speziellen Duftmaschinen angesprochen werden. Ein schöner Raumduft wird vom Kunden oft gleich mitgekauft – eine tolle Möglichkeit für Zusatzverkäufe.

 

Was ist wichtig, um die Aufmerksamkeit des Kunden zu gewinnen?

Dazu bedarf es eines Überraschungseffekts, der unbedingt positiv besetzt sein sollte. Der Kunde wird beispielsweise durch eine ungewöhnliche Sortimentskombination neu­gierig, die er nicht erwartet hat.

 

Kochhaus trifft mit einer speziellen Auswahl an Zutaten für fest definierte Menüs ohne alternative Auswahlmöglichkeiten den Wunsch vieler Kunden: einfach, kreativ und leicht verständlich.

Kochhaus trifft mit einer speziellen Auswahl an Zutaten für fest definierte Menüs ohne alternative Auswahlmöglichkeiten den Wunsch vieler Kunden: einfach, kreativ und leicht verständlich.

Welche Trends werden im Frühjahr/Sommer 2015 eine Rolle für den Einzelhandel spielen?

Der Trend geht immer mehr dahin, sich von der großen Masse abzugrenzen, ganz besonders und individuell zu sein. Zum Basis-Artikel, etwa einem Anzug oder einem Sofa, der durchaus von einer günstigen Ladenkette stammen kann, werden als Alleinstellungsmerkmal individuelle und besondere Accessoires kombiniert, beispielsweise eine teure Designer-Krawatte oder ein selbstgehäkeltes Sofa­kissen. Der Konsument möchte sich immer weniger an Marken binden und frei in der Kombination verschiedener Labels und Accessoires sein, um einen möglichst individuellen Look zu erzielen. In Sachen Farb­gebung ist die Pantone-Farbe Marsala absolut im Trend.

 

Doch auch die Präsentation einer Fülle an verschiedenen Produkten wird ihren Reiz nicht verlieren. Bei Lush steht das Arbeiten mit Schriften in einer identischen, wiederkehrenden Form das Produkt in den Mittelpunkt.

Doch auch die Präsentation einer Fülle an verschiedenen Produkten wird ihren Reiz nicht verlieren. Bei Lush steht das Arbeiten mit Schriften in einer identischen, wiederkehrenden Form das Produkt in den Mittelpunkt.

Welchen Tipp können Sie den Besuchern der Nordstil im Januar 2015 mit auf den Weg geben?

Eine vorangehende Limitplanung zu Stückzahl und Budget für das gesamte Jahr bzw. die betreffende Saison ist sinnvoll. Daraus ergeben sich Art und Anzahl der Themenflächen, die anhand von Moodboards erarbeitet und auf der Messe mit Ware befüllt werden können.

 

 

Die Farbe des Jahres 2015

Pantone 18-1438 Marsala kann mit neutralen Tönen wie warmem Taupe und Grau kombiniert werden, kommt aber auch sehr gut mit Bernstein, Umbra und goldenen Gelbtönen sowie türkisen und blau-grünen Farbschattierungen sowie lebhafteren Blautönen zur Geltung. Der Farbton fällt ins Auge, ist aber nicht erdrückend oder grell, wirkt anziehend auf das Publikum und verleiht Verkaufsständen einen verführerischen Schimmer. Der kräftige, aber stilvolle Ton spricht jeden an und lässt sich leicht in Mode, Kosmetik, Industrie-Design, Einrichtungsgegenstände und Innenräume übersetzen.

Quelle: www.pantone.de

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Branchenübergreifend und basierend auf handelsrelevanten Marktstrategien und Benchmarks des deutschen Einzelhandels wird der Weg zu einer erfolgreichen Ladenplanung und -gestaltung aufgezeigt. Das Trendthema „Multisensuales Marketing“ bietet über das Ansprechen aller Sinne vielfältige Möglichkeiten der Kundenbindung und Differenzierung vom Wettbewerber.
Daniel Schnödt, „Inszenieren – Verführen – Mehr verkaufen. Ladengestaltung mit multisensualem Marketing“, Deutscher Fachverlag GmbH, 176 Seiten, Hardcover, € 68,00 (D) / € 70,00 (A) / CHF 89,00