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Interview Scott Henderson

16. Februar 2015 Autor: TOP FAIR Redaktion
Kategorie: Allgemein, Geschenke & Dekoration, Haus & Wohnen, Küche & Haushalt

Die gestalterischen Arbeiten Scott Hendersons wurden in der Vergangenheit bereits unter anderem in Bestenlisten der New York Times und des I.D. Magazins gewürdigt. Darüber hinaus gewann er zahlreiche Preise, darunter den Design Plus Award, den Good Design Award und den IDSA Industrial Design Excellence Award. Top Fair sprach mit Scott Henderson über seine Arbeit.

 0276_01_AM_2015_Partnerland_USA_scott_henderson_portraitWelches Konzept verfolgt die ­Sea­shore Galore als Präsentation des Partnerlands USA?

Über das Produkt ein gewisses Gefühl der Leichtigkeit, einer vitalen Frische herzustellen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine Arbeit als Produktdesigner. Ich freue mich immer sehr, wenn mir jemand sagt, dass ein von mir entworfenes Produkt ausgesprochen frisch wirkt. Auf Wirkungen, die als „Avantgarde“ oder „hochmodern“ etikettiert werden können, ziele ich nicht so sehr ab. Ich assoziiere den Begriff „frisch“ mit Gesundheit und Glück, mit einer Leichtigkeit, die im Gegensatz zu „Last“ steht. Dies leistet dem Gefühl von Erneuerung und Inspiration Vorschub. Auch das Attribut „clever“ mag ich sehr – es lässt sich als Mix aus Naivität und Witz beschreiben – und das genau ist der Kern meiner Designphilosophie. Wer glaubt, die Arbeit sei beendet, wenn die erste Etappe (die Lösung eines physischen Problems) zurückgelegt ist, verpasst leicht die Chance zur Umsetzung einer positiven Änderung, die sich auf Ebenen vollzieht, die weit über das Physische hinausgehen. Mein Ziel: durch Design eine „clevere Frische“ zu schaffen.
Da die Ambiente eine Konsumgütermesse ist, habe ich überlegt, welche ganz typisch amerikanischen Produkte mir zur Inspiration dienen könnten, die man aber nicht so sehr erwartet wie z. B.. den klassischen Haifischflossen-Cadillac. Der klassische und höchst amerikanische Adirondack-Gartenstuhl hat mich schon immer fasziniert. Vor meinem geistigen Auge erscheint er meist von hinten und im Vordergrund ist viel Wasser. Dieses klassische Bildmotiv vermittelt ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit. Ich halte das Mischen etablierter Traditionen mit frischen, cleveren Überraschungsmomenten für eine Formel mit hohem Erfolgspotenzial. Deshalb habe ich beschlossen, 2,70 m hohe Adirondack-Stühle zu entwerfen – ein Riesenmaßstab! -, die vor einer gekrümmten Mauer mit einem Meerbild stehen. Meine Displays stellen auf abstrakte Weise Pflanzen dar, die rund um diese Riesenstühle wuchern. Um am Ende des 50 Meter langen Objektes finden sich dann zwei klassische amerikanische Briefkästen. Die typisch roten Fahnen sind hochgeklappt (was bedeutet, dass man Post hat) und mit der US-Flagge versehen. Dies ist der einzige unmittelbare Bezug zu den USA. So kann der Betrachter sich durch reine Assoziation von Bildern und Symbolen an das Thema annähern.

 

Was ist für Sie die Essenz guten ­Designs?

In gutem Design ist eine Idee verwirklicht, die so in das Produkt eingearbeitet ist, dass sie die ganze Story wird. Ein großer, frischer, einmaliger Gedanke, der zur Lösung eines Problems erdacht wurde und der eine denkwürdige und plakative Lösung darstellt. Zweitklassiges Design hingegen versucht, 10 oder 15 kleine Ideen unter einen Hut zu bekommen. Die Story, die dabei herauskommt, ist verworren und nicht gerade ein Meilenstein. Grandioses Design demonstriert eine Idee, die so eng mit der Lösung verwoben ist, dass sie durch keine überflüssigen Beigaben in puncto Stil, Farbe oder Trend größer oder kleiner wird.

 

Gibt es klassisches Design, das ­Ihnen ein beeindrucktes „Wow!“ ­entlockt?

Diese Frage wurde mir schon oft gestellt, und obwohl ich seit nun über 20 Jahren als Industriedesigner arbeite, fällt mir die Antwort noch immer schwer. Zunächst einmal ist es so, dass meine Inspirationsquellen nicht so sehr im Bereich des klassischen Designs früherer Jahre liegen. Für mich hat Design viel mit Beobachtung zu tun. Wenn man sich als Designer darauf geschult hat, die Welt um sich herum sehr bewusst zu betrachten, wird man zum richtigen Zeitpunkt am rechten Ort sein, um Realitäten wahrzunehmen, die in Form einer Produktidee eine positive Resonanz bei einem großen Publikum erzielen. Solche Realitäten aufzuspüren, spornt mich an – es ist wirklich aufregend, sie zu entdecken und etwas aus ihnen zu machen.

 

Gibt es ein aktuelles Design-Produkt, das Ihnen wirklich gefällt?

Ich freue mich immer, wenn ich mitbekomme, dass ein Unternehmen wirklich Innovationen entwickelt. Der Rest der Branche beeilt sich dann, hier gleichzuziehen. Auf die Weise realisieren die Leute, wie wichtig Design ist. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Produktlinie von Joseph Joseph, die die Branche durch starke Konzepte, eine tolle 3D-Brandstory und Innovation im positiven Sinne „aufmischt“.

 

An welchen neuen Projekten arbeiten Sie derzeit neben der ­Ambiente?

In letzter Zeit drehten sich meine Projekte um die Bereiche Unterhaltungselektronik (z.B. Mobilgeräte), das eine oder andere Lehr-Spielzeug, wahrnehmungsverändernde Verbraucherprodukte aus dem Medizinbereich, neue Haushaltsartikel sowie ein wenig um Seetransport.

 

Welcher Ihrer eigenen Entwürfe ist Ihr persönlicher Favorit?

Schwierig, da ich ja in vielen verschiedenen Designkategorien tätig war. Ich habe aber mal eine Spardose namens COINK erfunden, bei der das Prinzip des münzenweisen Einwerfens des Geldes durch einen recht breiten Trichter ersetzt wurde, über den man gleichzeitig viele Münzen einwerfen konnte. Das war wie eine lustige Randnotiz zum Thema Innovation und setzt genau das um, was ich meinte, als ich sagte, dass eine einzelne, klare, große Idee statt verschiedener kleiner eine Story schreiben kann, die für Aufsehen sorgt und im Gedächtnis bleibt.

 

Seashore Galore/Scott Henderson Ambiente 2015 ▶ 4.1 Foyer


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