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„Neue digitale Tools werden Raumtextilien in den Fokus rücken“

7. April 2016 Autor: TOP FAIR Blog
Kategorie: Textilien

0540_01_HT_2016_TLutzTobias Lutz ist Gründer und Managing Director von Architonic, einer internationalen Online-Plattform für hochwertige Designprodukte, Materialien, Architekturprojekte und Informationen. Heimtextil Blog hat ihn zu seinen Eindrücken von der Heimtextil 2016 und dem Theme Park befragt.

Im Januar gab die Heimtextil den Messe-Auftakt für die Wohn- und Einrichtungsbranche. Sie waren auch vor Ort. Welche Produkte oder Tendenzen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

„Ich habe selten auf einer Messe eine so aufwändige und qualitativ hochwertige Trendinstallation gesehen. Großartig, wie die Themen inspirierend umgesetzt und räumlich und erlebbar waren. Auch die Inszenierung in der leeren Halle war aus Sicht der Architekten- und Designszene ein echtes Statement. In den Messehallen war die Digitalisierung ein sehr präsentes Thema. Sei dies in der Produktion, wo der Digitaldruck immer breitere Anwendung zur Veredelung hochwertiger Tapeten und Raumtextilien findet oder auf Ebene des Materials selbst, wo zur Zeit echte Innovationen Einzug halten. Ich denke vor allem an intelligente und interaktive Textilien, die auf Menschen und die Umgebung reagieren.“

 

Wie schätzen Sie den Stellenwert von Wohntextilien in der Architektur ein? Welche Entwicklungen nehmen Sie wahr?

„Es ist ja kein Geheimnis, dass für viele Architekten die sich der stilistischen Reduktion verschrieben haben, Textilien erst mal an Stellenwert verloren haben. Sie wurden komplett als Teil der barocken Opulenz in der Architektur wahrgenommen. Heutzutage finden wir zunehmend neue Interpretationen textiler Oberflächen in der modernen Architektur. Nicht zuletzt auch, weil Textilien immer multifunktionaler werden und wichtige Funktionen wie beispielsweise Akustik, flexible Raumteilung oder digitale Information übernehmen.
Im Gegensatz zu anderen Bereichen war für den Konsumenten der Kauf von Heimtextilien immer an eine physische Verkaufsstelle gebunden und so nicht wirklich im Zentrum der Aufmerksamkeit, die sich immer stärker auf digitale Kanäle richtet. Neue digitale Tools, die explizit für den Textilbereich entwickelt werden, werden diesem Missstand jedoch Abhilfe schaffen und Raumtextilien wieder in den Fokus rücken. Auf Seite der Konsumenten wächst das Bewusstsein für Marken, Produkte und Qualität auch im Textilbereich.“

 

Der Theme Park stand diesmal unter dem Motto „Well-Being 4.0“. Wohin, glauben Sie, führt diese Kombination von Vernetzung und dem Wunsch nach persönlichem Wohlbefinden?

„Gerade weil wir so vernetzt sind und einen großen Teil unserer Zeit in einer digitalen Welt verbringen, hegen wir einen generellen Wunsch nach mehr Sinnlichkeit und Wohlbefinden. Deshalb bewegen wir uns auch weg von der nackten Betonwand, hin zu textilen Oberflächen. Als Reaktion auf den “Homing” Trend werden auch kommerzielle Räume wie Restaurants immer wohnlicher und damit auch sinnlicher gestaltet. Sie stehen in direkter Konkurrenz zum Zuhause, wenn es darum geht, dem Wunsch nach Wohlbefinden nachzukommen. Die digitale Vernetzung erleichtert hier den Zugang zu noch individualisierteren Lösungen.“

Weitere Informationen zu Architonic unter www.architonic.com

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Text: Edda Simon, Messe Frankfurt
Foto: Architonic/Heimtextil Blog