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Ein Stück deutsche Industriegeschichte

22. Februar 2018 Autor: TOP FAIR Redaktion
Kategorie: Küche & Haushalt

Die Rosenthal GmbH dürfte mit zu den weltweit bekann­testen deutschen Herstellern im Bereich Tableware ­gehören. Neben den Produktlinien für Privatverbraucher ist einer der Eckpfeiler des Unternehmens der Bereich ­Contract Business für Hotels und Gastronomie. Für diesen professionellen Bereich hat das Unternehmen eine eigene Business-Unit. Wir sprachen mit dem Leiter der Abteilung Hotel & Restaurant-­Service für den deutschen Markt, Peter Serra, über die Produktpalette, spezielle Anforderungen und Design.

 

Gibt es für den Bereich Contract Business (also Hotel, Gastronomie und andere professionelle Abnehmer) eine eigene Business Unit und wie ist diese organisatorisch aufgestellt?
Ja, sie gibt es. Diese ist in zwei Bereiche aufgeteilt: National und International mit jeweils einer/-m Vertriebsverantwortlichen und einem Handelsvertreternetz (national) bzw. eigenen Area Sales Managern International und eigenem Kundenservice sowie Marketing.

 

Könnten Sie uns die speziell für den Bereich gemachten Angebote/Serien kurz vorstellen? Gibt es da neben Porzellan auch andere Angebote?
Die Rosenthal GmbH verfügt über eine sehr breite Auswahl an Porzellan, Glas, Bestecken und Accessoires/Hohlteilen, die eigens für die Hotellerie und Gastronomie entwickelt wurden. Das Spektrum reich vom klassisch-weißen Porzellan bis zu modernen, farbigen Serien, teilweise in Kombination mit anderen Materialien wie Steinzeug und Holz. Hinzu kommt die Möglichkeit der Individualisierung mit eigens für den Kunden entwickelten Dekoren. Die Besteckserien reichen auch von sehr klassischen Formen aus versilbertem Alpaka, über mit Designpreisen ausgezeichnete Serien bis hin zu schlichten Edelstahlformen. Hier ist die zusätzliche Vielfalt an Möglichkeiten dank spezieller Veredelungsmöglichkeiten (zum Beispiel Kupfer oder Champagnertöne, Vintage Finish etc.) hervorzuheben: vier Farben und vier unterschiedlichen Oberflächen ergeben 16 Variationen pro Modell.

 

Mesh gehört zu den bei professionellen Anwendern besonders beliebten Rosenthal-Serien.

Gibt es Unterschiede zu den „normalen“ Serien im ­Programm? Beispielsweise bezüglich des Anforderungsprofils durch den Kunden?
Es gibt in der Tat Produkte, die z. B. im Hinblick auf die ­Nutzung in bestimmten Gastronomiebereichen (Groß­küchen, Kantinen, Caterer, Buffet, Bankett) mit einer verbesserten Kantenschlagfestigkeit entwickelt wurden oder auch stapelbar sind. Was die Individualisierung betrifft, so sind die Möglichkeiten und die Flexibilität für diesen Vertriebsbereich viel größer als im „normalen“ Retail.

 

 

Wird das unterschiedlich bei den Marken gehandhabt (Rosenthal, Thomas, Hutschenreuther, Arthur Krupp, Arzberg)?
Jede Marke hat ihre Zielgruppe und richtet somit ihr Sortiment darauf, auch im Hinblick auf die Eigenschaften der Produkte.

 

Besteht die Möglichkeit sich individuell gefertigte Produkte komplett nach eigenen Vorgaben anfertigen zu lassen und wie weitgehend können diese Änderungen sein? Design, Farbe, ­Anmutung?
Ja. Die Artikel können auf Wunsch des Kunden personalisiert werden: Logos, Dekore, Farben bis – unter bestimmten Voraussetzungen – hin zu Eigenentwicklungen.

 

Tarantella Bar und Restaurant in Hamburg – ausgestattet mit Sambonet Besteck Imagine und Edelstahlaccessoires Contour

Welche Serien/Programme von ­Rosenthal sind im Bereich ­Contract Business bevorzugt gefragt?
Für Rosenthal sind das Epoque/Accenti, Jade (Fine Bone China) und Mesh sowie Junto. Bei Thomas sind es Trend und Loft.

 

Gibt es im Segment Contract Business auch noch andere Angebote, beispielsweise individualisierte ­Geschenkartikel o. Ä.?
Ja, Beispiele sind individualisierte Becher, Tassen oder Schälchen im Geschenkkarton, die Salzauster für die Sylter Salzmanufaktur, sogar Wandfliesen aus ­Porzellan.

 

Corso 281 Luxury Suites in Rom – ausgestattet mit Rosenthal Jade, Sambonet 12‘O‘Clock + Besteck Linea Q

Gibt es Kooperationen in diesem ­Bereich mit bekannten Designern? Welche sind das beispielsweise und welche Produkte sind dabei entstanden?
Das bekannteste Produkt ist sicher die ausgesprochen vielseitige Serie Mesh der spanischen Designerin Gemma Bernal. Ihre Inspiration schöpfte Frau Bernal nicht zuletzt aus einem intensiven Austausch mit den besten Köchen und Kochschulen Spaniens. Mit »Mesh« ist eine innovative Dining- und Gourmetkollektion entstanden mit vielen variabel einsetz- und kombinierbaren Einzelteilen, z.B. für Tapas und Buffets. Ein zartes Gitterrelief macht die klaren, geometrischen Formen der Kollektion besonders lebhaft und modern.

 


Ein kurzer Ausflug in die Rosenthal Historie
Ihren Anfang nahm die Geschichte des Unternehmens Rosenthal im Jahr 1879 als Philipp Rosenthal in Erkersreuth bei Selb eine Porzellanmalerei gründete.
Über die Jahrzehnte entspann sich eine wechselvolle Geschichte, dabei übernahm Rosenthal auch andere Marken wie Thomas, Hutschenreuther oder Arzberg und integrierte sie ins eigene Produktportfolio. Im Jahr 1950 trat der Sohn des Firmengründers, Philip Rosenthal, in die Rosenthal AG ein. Er war zunächst Werbeleiter, später übernahm er die Leitung der Produktgestaltung, anschließend die Leitung des Verkaufs. Von 1958 bis 1981 prägte Philip Rosenthal als Vorstandsvorsitzender die Weiterentwicklung der Rosenthal AG in entscheidender Weise.
Zur Produktpalette gehörten und gehören im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Klassiker, darunter die im Jahr 1959 von Designer Hans Theo Baumann die bis in die 1970er Jahre millionenfach verkaufte Form Berlin.
Mit der Entwicklung der Marke „Rosenthal studio-line“ nimmt Philip Rosenthal 1961 eine Weichenstellung in der Produktentwicklung vor. Lange bevor Design en vogue war, kooperiert Rosenthal mit zeitgenössischen Künstlern, Designern und Architekten, unter ihnen große Namen wie Raymond Loewy, Walter Gropius, Tapio Wirkkala oder Sebastian ­Herkner oder dem Modehaus Versace. Weit über 150 Künstler haben bis heute einzigartige Kollektionen für Rosenthal entworfen, rund 500 Designpreise und zahlreiche Referenzen in international anerkannten Museen belegen bis heute die Vorreiterrolle von Rosenthal für innovatives Produktdesign.
Die einstmalige Porzellanfabrik hat sich in ein internationales Unternehmen für gehobene Wohn- und Tischkultur gewandelt. Porzellan von Rosenthal ist dabei noch immer Made in Germany, wird es in Selb und Speichersdorf doch in modernsten Produktionsanlagen gefertigt. Die neue Porzellanfabrik „Rosenthal am Rothbühl“, 1967 nach Entwürfen von Walter Gropius erbaut, schrieb gar Architekturgeschichte. Moderne Fertigungsanlagen und Automation sorgen für eine präzise Herstellung und gleichbleibende Qualität der Stücke.
Seit August 2009 ist Rosenthal Teil der Arcturus Gruppe, die hochwertige Designartikel für Tisch und Küche produziert, sowohl für Privathaushalte als auch Hotellerie. Zur Arcturus-Gruoppe gehören Unternehmen wie Sambonet, Paderno, Ercuis und Raynaud.



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